HÄGGI - LIEDERDICHTER

 

Eine Musik der Gefühle, der Bilder, der Gedanken und Sehnsüchte. Malerisch, träumend und tiefgründig verschmelzen in David Häggis Liedern Musik und Poesie. Hauptsächlich in Mundart wird über Gefühlslagen und die Fragen des Lebens gesungen...  Ursprünglich und zeitlos. Mal mit Wehmut, mal mit Ironie. 

 
 
 
Es Schof

I bin es Schof, uf der Weid leb i
das sitdem i gebore bi
und vo de Weid chani nid Weg goh
will rundum umen en Zaun tuet stoh

und s isch immer s gliich Gras, won ich iss
das Gras woni emel wieder drin ie schiss

I der Höchi gsehn i d Berge lüüchte
iiladend gsehn s us, in ihrem wiise Chleid
doch um dert hi z cho müesst i flüchte
über de Zaun vo minere Weid

Doch als Schof bin i gebore
z fresse wa mer vor de Nase liit
ohni Zaun wär i i dere Welt verlore
will mir Schöf, mer sind nid gschid

Jo mer seit mer Schöf,mer seged dumm
und tesed nur de Schnauze no renne
i weiss nid wien ich us de Weid use chum,
woher sött i au en Weg use kenne

Doch a eim Morge stoht s Zauntor offe
unverhofft liit vor mer d Freiheit
churz entschlosse bin i devo gloffe
sowiit wie mi mini Füess hend treit

Sither hett mer mi nümm gseh
bin i bi dene Gipflene wiis, wie Schnee
oder wär i gschiider bi de Weid bliibe
wo kein chüele Schnee tuet triibe




De Baum

De Baum er stoht i der Höchi überm Land
er stoht der tobe, grad am Himmelsrand
er wachst dert ufem Hügel stark und stolz
vieli Johre isch scho alt siis dunkle Holz

Wer hett echt de Baum mol derte pflanzt?
wie viel Vögel sind scho um ihn ume tanzt?
oder isch er echt ganz vonelei usem Bode gsprosse?
hend ihn d Mensche oder d Regetropfe emel gosse?

Was hett de Baum i sim Lebe alls scho gseh?
wieviel Freude hesch erlebt und wie viel Weh?
us dine Zwiige isch scho gsprunge menge Funke
wieviel Träne end dini Wurzle echt scho trunke?

Du bisch immer am Ort gstande und hesch gstunt
was us dere Welt so alles zue dir chunt
geduldig hesch du glost wamer dir verzellt
was für Sorge d Mensche um dich e so quält

Du bisch nur do gschtande und hesch nüt chönne säge
trotzdem tönd d Lüüt ihri Chummer zue dir träge
si mönd nur gschpüre wie du still do stohsch
und vo nütem dich us de Rueh bringe lohsch



I wohne a dem See

I wohne a dem See, wo mer nid chan drüber gseh
de See, de isch so wiit, s ander Ufer gseht mer nid
was uf de andre Siite isch, wüssed nume n es paar Fisch
was uf de andre Siite isch, wüssed nume n es paar Fisch

Es weis jetzt aber jede, mit de Fisch chamer nid rede
selbscht, wenn si würed welle, chented si mer nüt verzelle
so bliibts hald ihres Gheimnis, was uf de andre Siite isch
so bliibts hald ihres Gheimnis, was uf de andre Siite isch

Will is aber wüsse wot, so mueni slber mit em Boot
uf die andre Siite fahre und mich stelle vielne Gfahre
Will uf die andre Siite, ischs en Weg en schuurig wiite
Will uf die andre Siite, ischs en Weg en schuurig wiite

I han de Weg doch uf mich gno und bin as andre Ufer ch
dött hend scho d Seejungfere gsunge und i bi schnell zu ihne as Land gschprunge
fründlich hend si mich begrüesst und mer de Rescht vom Tag versüesst
fründlich hend si mich begrüesst und mer de Rescht vom Tag versüesst

Bis ich emol um mich lueg, wo isch mis Boot nur bliibe
ganz knapp chamers no gseh, wies am Horizont tuet triibe
so mues ich hald bide Nixe bliibe, wenigstens mag i si ganz guet liiede
jo s isch würklich kei Liide, wen si mir tönd d Ziit vertriibe


Vier Vögel

Vier
Vögel, die flüged, si flüged im Kreis

si wüssed nid recht wo ane, do seit eine „ich weiss“
Ich flüge in Süde, do isch es schön heiss
So verloht er die andre, wo flüged im Kreis

Drei Vögel, die flüged, si flüged im Kreis
si wüssed nid recht wo ane, do seit eine „ich weiss“
Ich flüge in Norde do goht d Summersunne nie unter
so verloht er die andre und flügt weg ganz muter


Zwei Vögel, die flüged, si flüged im Kreis

si wüssed nid recht wo ane, do seit eine „ich weiss“
Ich flüge in Himmel do sind d Sterne und d Sunne
bliib du nur do uf de trüebe Erde unne

Ein Vogel de flügt ganz elei im Kreis
Er weiss nid recht wo ane, do denkt er „ich weiss“
Er gleited langsam abe und sitzt ufen Baum
Er schlüsst sini Auge und träumt en Traum

Er
träumt vo der Wüeschti, do tuet er fescht schwitze

vo dert reist er an Nordpol und tuet gfrore stille sitze
er taut uf und fligt in Himmel, zude Sterne ue denn gleited er abe und findet ufem Baum sini Rue


Abendwind

Der Wind über den Abend streichet
ruhig, mit sanfter Hand
die Müh des Tages weichet
still liegt da das Land
der Wind weht mein Gedanke
in die Lüfte empor
da wo sich stets die Schranke
der Wirklichkeit verlor

In Träumen versinkt bald
das grosse Himmelszelt
über Wiese und Wald
der schöne Zauber fällt
Wie Flocken weisser Schnee
in die die Erde taucht
als hätte eine Fee
die Welt sanft angehaucht

So liegt es ruhig und friedlich
das verzaubert Land
und über alles legt sich
eine warme Hand
sie bedeckt meine Augen
mit froher Zuversicht
bis am nächsten Morgen
mich weckt das Tageslicht